Die vom New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman in Gang gesetzten Untersuchungen der Bankhäuser Goldman Sachs, Bank of America und Morgan Stanley kann für die Betroffenen sowohl straf- wie zivilrechtliche Folgen haben. Die gesetzliche Grundlage im Staat New York erlaubt mit dem Martin-Act von 1921 die Strafverfolgung von Verbriefungsdelikten, ohne daß dem Angeklagten eine kriminelle Absicht nachgewiesen werden muß – die kriminelle Handlung allein ist ausschlaggebend. Die Untersuchungskommissionen des amerikanischen Senats (Levin/Coburn) und Repräsentantenhauses (Angelides) haben in ihren jeweiligen Berichten bereits die kriminellen Machenschaften der verschiedenen Banken, allen voran Goldman Sachs, bei Hypothekenverbriefungen aufgezeigt. Deshalb kann man davon ausgehen, daß die drei bisher genannten Banken nur den Anfang machen.
Kein einziger Banker oder Wertpapierhändler ist bisher für diesen größten Wertpapierschwindel aller Zeit und den sich daraus ergebenden exorbitanten Schäden für die betrogenen Anleger und die Volkswirtschaften zur Rechenschaft gezogen worden. Im Gegensatz dazu wurden in den USA beim Platzen einer viel kleineren Immobilienblase Mitte der achtziger Jahre 800 Sparkassenchefs zu Gefängnisstrafen verurteilt. Aber mit den jetzt in Gang gebrachten Verfahren kann sich das ändern.
Und das kann auch Folgen für die Obama-Administration haben. Der Journalist Matt Taibbi schreibt in einer Kolumne für Rolling Stone: „Es scheint der allgemeine Wunsch fast aller hochrangigen Politiker zu sein, zu einem schnellen Deal bei den Immobilienbetrügereien mit den Banken zu kommen und den Rest unter den Teppich zu kehren. Besonders die Regierung Obama hat alles getan, um dieses Kapitel so schnell wie möglich zu schließen und als etwas aus vergangenen Zeiten erscheinen zu lassen. Schneidermans Untersuchungen durchkreuzen nun abrupt diesen Schmusekurs."
Taibbi zufolge konzentrieren sich die Untersuchungen auf eine Reihe sich überlappender Betrügereien. Die Investmentbanken haben nicht nur Hypothekenkredite, deren Unwert ihnen bekannt war, verbrieft und mit Hilfe von gekauften Expertisen der Ratingagenturen vertrieben, sondern auch Hypothekenbanken wie Countrywide Financial großzügig mit Liquidität versorgt, was den Schwindel überhaupt erst ermöglichte. Auch wurden sowohl Anleger als auch Regierungsstellen über den wirklichen Wert dieser Mortgage-backed Securities (MBOs) im unklaren gelassen, wie Senator Levin in seinem Untersuchungsbericht betont.
„Die Verluste der Anleger bei diesem Anlageschwindel sind wahrscheinlich gigantisch", schreibt Taibbi weiter. „Die von den Banken dabei erschwindelten Gewinne werden in etwa von gleicher Dimension sein. Und der Schaden für die Volkswirtschaft durch massenhafte Zwangsräumungen und weiterer dadurch ausgelöster Verluste ist unkalkulierbar. Wenn am Ende die Banken als schuldig im Sinne der Anklage befunden werden, könnte das für sie zu einschneidenden Strafgeldern und Gefängnisstrafen führen."