Mit einem Leitartikel unter dem Titel: „Mißbrauch der Exekutivprivilegien“ (siehe gesonderten Artikel) sprang die New York Times heute verspätet auf den „Schnappt Cheney“-Zug auf, dem ein Kommentar des regelmäßig für die Times schreibenden Frank Rich mit dem Titel: „Wenn es der Vizepräsident macht, bedeutet dies, es ist nicht illegal“ folgte.
Rich, der hervorhob, daß „die Washington Post letzte Woche eine hochkarätige Nachforschungsserie über die gesamte Vizepräsidentschaft Cheneys abdruckte“, argumentiert, daß hinter all den wohlverdienten Veräppelungen und TV-Witzen des Spätabendprogramms gegen Cheney, die dieser durch seine Behauptung, er sei nicht Teil der Exekutive und müsse sich damit auch nicht an deren Vorschriften halten, ausgelöst hatte, liege etwas sehr viel Düstereres. Am 25. März 2003 publizierte und unterzeichnete das Weiße Haus eine Exekutivverfügung, die ein Dokument der Clinton-Amtszeit über den Umgang mit vertraulichem Material revidierte. Mit der Bush-Revision „wurde jede Bestimmung, die dem Präsidenten die Verfügungsgewalt über vertrauliche Dokumente gab, mit dem Anhang versehen, die identische Gewalt auch dem Vizepräsidenten zu verleihen.“
Lyndon LaRouche stellte bei zahlreichen Gelegenheiten fest, daß der Präsident nicht das Recht habe, derartige Befugnisse an den Vizepräsidenten oder sonst irgend jemanden zu delegieren.
Rich argumentiert, Cheney habe diese Gewalt dann dazu benutzte, die gesamten Irakkriegslügen, die Vertuschungen, sowie die Angriffe auf Valerie Plame und Joe Wilson durchzusetzen.
„Die neue Exekutivverfügung, die Bush am 25 März unterzeichnete, war genial. Indem er Mr. Cheney dieselbe Klassifizierungsbefugnis erteilte, die er selbst besaß, gab Mr. Bush seinem Vizepräsidenten freie Hand, eine verdeckte Waffe einzusetzen: er konnte Lücken ausnützen, um Regierungskritiker zu bestrafen.“
Diese Waffe wurde dann weniger als vier Monate später eingesetzt. Auf Mr. Bushs Anweisung bevollmächtigte Mr. Cheney Scooter Libby, stark selektive und irreführende Abschnitte einer nationalen Geheimdiensteinschätzung über den Irak von 2002 an die Presse durchsickern zu lassen, um Reporter an der Nase herumzuführen, als er versuchte, Mr. Wilson zu diskreditieren.“
Rich schlägt schließlich den Bogen zu Cheney: „Der größere Skandal liegt darin, was der Vizepräsident- nach dieser Exekutivverfügung rechtens – schon lange vor seiner kürzlichen Zurückweisung der Kontrollgesetze tat… Man muß sich fragen, was sonst noch alles hinter dem Schild einer Exekutivverfügung durchgeführt wurde, die vor vier Jahren direkt nach den Iden des März unterzeichnet wurde.“