Der Vorsitzende der russischen Eisenbahngesellschaft, Vladimir Yakunin, ein enger Vertrauter des russischen Ministerpräsidneten Putin, gab der führenden Wirtschaftszeitung „Kommersant" ein Interview, das unter dem Titel „Der liberale Kapitalismus in Rußland erreicht sein Ende" am 2. Oktober veröffentlicht wurde. Zu Beginn seines Interviews erklärte Yakunin deutlich, daß niemand anderer als Lyndon LaRouche, der „amerikanische alternative Wirtschaftswissenschaftler", ihn bereits vor langer Zeit vor der weltweiten Finanzzusammenbruchskrise gewarnt hatte.
Kommersant: „Wann realisierten Sie, dass es zu einer finanziellen Krise kommen wird?"
Yakunin: „ Vor anderthalb Jahren. Ich übertreibe nicht. Ich kann mich an meine erste Unterhaltung mit dem amerikanischen alternativen Wirtschaftswissenschaftler, Professor LaRouche (Lyndon LaRouche – Kommersant) erinnern. Er ist jemand, der sehr aussagekräftige Algorithmen für die Bestimmung des Zustands der Wirtschaft und ihre Aussichten benutzt. Und er erzählte mir: „Vladimir, ich kann dir mit Sicherheit sagen, dass die Wirtschaftskrise bereits stattfindet". Er betonte, dass der Grund der Krise in der Veränderung der Wirtschaft und vor allem der Finanzen in eine virtuelle Wirtschaft und virtuelle Finanzen liegt. Vom gesamten Finanzumlauf auf der ganzen Welt wird seiner Ansicht nach etwa nur 15 % dieses Papiergeldes von echtem Wert gedeckt, wie industrielle Produktion, Rohstoffe, etc. Mit scheint, dass wir gerade jetzt Zeugen für die Richtigkeit dieser Formel sind. Diesen Sommer habe ich das Thema der Krise mit anderen Wirtschaftswissenschaftlern und meinen Freunden in der Regierung diskutiert, so dass die Krise selbst nicht unerwartet kam. Ich bin kein professioneller Finanzexperte. Aber wenn die Krise für mich sichtbar und offensichtlich war, hätte sie für diejenigen sichtbar und offensichtlich sein sollen, die die Finanzpolitik bestimmen."
Yakunin berichtete gegenüber „Kommersant", dass die Russische Eisenbahngesellschaft über ausreichende Liquidität für laufende Tätigkeiten verfügt, aber gegenwärtig keinen Zugang zu Investitionskrediten hat, was soviel heißt, dass ihre Investitionspläne im Laufe der nächsten beiden Jahren um 10-15% gestrichen werden müßten. Gefragt zur momentanen Finanzinfusion der russischen Regierung zur Unterstützung des Bankensektors und der Finanzmärkte, sagte Yakunin: „Hilfe sollte an eine genaue Adresse gehen." Er drückte seine Unterstützung für eine zweigleisige Herangehensweise aus, wobei man „spekulative Institutionen ihre Verluste selbst ausgleichen läßt. Wenn es sich aber um seriöse Banken handelt, von denen eine große Anzahl von Unternehmen, vielleicht sogar ganze Industriesektoren abhängen, sollten diese wahrscheinlich die ersten sein, die Unterstützung durch der Regierung erhalten."
Was Francis Fukuyama das berühmte „Ende der Geschichte" nannte, sei, so Yakunin, in Wirklichkeit das „Ende der neoliberalen Theorie". Gefragt, was als nächstes geschehen sollte, antwortete er, man solle „in Richtung der Gründung eines neuen Wirtschaftsparadigmas" gehen. „Lassen Sie uns mit der ganzen Welt anfangen. Ich meine wirklich: die ganze Welt und, eine neue Wirtschaftstheorie zu erstellen und durchzuführen. Ich hoffe, dass wir bald einsehen werden, dass man nicht nur von Finanzgeschäften leben kann; und auch, daß die gesamte Welt nicht von einer einzigen Währung leben kann, die durch nichts gedeckt ist, genannt Dollar." Präsident Dmitri Medvedev sei sehr interessiert daran, nationale Währungen für Handelsgeschäfte zu nutzen; dies werde bereits mit arabischen Ländern diskutiert.
Yakunin verteidigte seinen Entschluß, sich mit 5% an der Deutschen Bahn zu beteiligen. Die Verbindung von europäischen und russischen Eisenbahnsystemen sei „von strategischer Wichtigkeit, um eine ‚Container-Frachtbrücke‘ zwischen der Pazifikregion und Europa aufzubauen."
Außerdem sei das Beste, was der Staat unter den momentanen Umständen tun könne, in Infastruktur zu investieren: „Auch wenn ich Gefahr laufe, paradox zu erscheinen, denke ich, dass finanzielle Investitionen in große, vielversprechende Projekte, auch Infrastrukturprojekte, die realen Wert schaffen und für Unternehmen Beschäftigung bieten, ein stabilisierender Faktor sein können."