Thomas Hoenig, seit April 2012 Vorsitzender der amerikanischen FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation, US-Einlagensicherungsfonds), der früher die Federal Reserve von Kansas leitete, hat am 11. Juni erneut „Glass-Steagall für heute“ verlangt. Unter der Überschrift „Keine weitere Sozialhilfe für Banken“ schreibt Hoenig in einem op-ed für das Wall Street Journal, er lege damit seinen Vorschlag für eine Stärkung des US-Bankensystem vor, „indem man die Struktur vereinfacht und die Verantwortung erhöht.“ (http://www.fdic.gov/news/letters/no_more_bank_welfare.html)
Thomas Hoenig, seit April 2012 Vorsitzender der amerikanischen FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation, US-Einlagensicherungsfonds), der früher die Federal Reserve von Kansas leitete, hat am 11. Juni erneut „Glass-Steagall für heute“ verlangt. Unter der Überschrift „Keine weitere Sozialhilfe für Banken“ schreibt Hoenig in einem op-ed für das Wall Street Journal, er lege damit seinen Vorschlag für eine Stärkung des US-Bankensystem vor, „indem man die Struktur vereinfacht und die Verantwortung erhöht.“ (http://www.fdic.gov/news/letters/no_more_bank_welfare.html)
Hoenig nimmt darin die zwei häufigsten Argumente aufs Korn, mit denen behauptet wird, das Glass-Steagall-Trennbankensystem hätte den Kollaps auch nicht verhindern können. Erstens: die Vergabe der Hypothekenkredite sei schuld gewesen; und zweitens, Glass-Steagall sei gegen die Ideale des freien Marktes gerichtet und würde die USA in einer globalisierten Welt benachteiligen. „Wenn Sie oder ich im Markt spekulieren wollen, dann müssen wir unseren eigenen Besitz riskieren“, so Hoenig. „Banken können ihre Positionen jedoch einfach decken, indem sie versicherte Einlagen benutzen und von der Federal Reserve Geld leihen“. Andere müßten dann für ihre Fehlspekulationen aufkommen. All das sei durch die Abschaffung von Glass-Steagall ermöglicht worden, und „diesen Fehler müssen wir immer noch korrigieren. Es wird Zeit, daß wir das tun.“ Die FDIC wurde mit dem „Glass-Steagall“-Gesetz von Franklin D. Roosevelt 1933 gegründet. Hoenig’s Plan „Das Bankensystem restrukturieren, um Sicherheit und Bonität zu verbessern“, vom Mai 2011 findet man hier:
http://www.kansascityfed.org/publicat/speeches/Restructuring-the-Banking-System-05-24-11.pdf
Interessanterweise findet sich unter den vielen Stimmen in den USA, die jetzt zur Rückkehr zum Glass-Steagall-Trennbankensystem aufrufen, auch frühere Gegner wie Prof. Luigi Zingales von der University of Chicago Booth School of Business. Am 11. Juni schrieb er einen Gastbeitrag für die Financial Times mit der Überschrift: „Warum mich Glass-Steagall überzeugt hat“. Er habe in den letzten Jahren seine Meinung geändert und sei jetzt dafür, die Trennung von Geschäfts- von Investmentbanken vorzuschreiben. Einer der Gründe sei die Einfachheit der Bestimmungen auf 34 Seiten. Im Unterschied dazu würde die „Volcker rule“ aus „298 Seiten Kauderwelsch bestehen, wofür man ganze Armeen von Anwälten braucht, um das auszulegen.“ Außerdem sei mit der Abschaffung von Glass-Steagall die Größe der Investmentbanken und damit auch ihre Macht auf den Märkten „explodiert“. „Als Folge entwickelten sich die neuen Finanzinstrumente (wie Credit Default Swaps) in einem undurchsichtigen over-the-counter-Markt, der von wenigen mächtigen Händlern, statt in einem gutregulierten und transparenten öffentlichen Markt beherrscht wird.“ Nach der Abschaffung von Glass-Steagall habe die Macht der Banken auf die Politik drastisch zugenommen. Diese exzessive Macht, die nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Finanzsektor geschädigt habe, könne man , mindestens teilweise mit Glass-Steagall wieder unter Kontrolle bringen, so Zingales.