Die von Dick Cheney organisierte Flut von Kriegsdrohungen gegenüber Iran hat eine Reihe besorgter Reaktionen in vernünftigen Kreisen veranlaßt, darunter auch Spitzengeneräle des Pentagon und führende amerikanische Diplomaten. Einer gut plazierten Quelle zufolge glaubte man lange Zeit, ein Angriff auf den Iran sei eine derart verrückte Idee, daß es dazu nicht kommen könne. Nachdem detaillierte Kriegspläne an die Öffentlichkeit gespielt worden waren, wonach bis zu 1200 industrielle, nukleare und militärische Anlagen sowie Regierungsgebäude bombardiert werden sollen, gäbe es jetzt eine "heftige Gegenreaktion". "Man ist inzwischen überzeugt, daß Cheney & Co. gerade deshalb planen, den Iran zu bombardieren, weil es völlig wahnsinnig ist."
Arnaud de Borchgrave veröffentlichte am 3. September einen Artikel in der Washington Times, in dem er berichtete, der französische Präsident Nicolas Sarkozy sei mit der Überzeugung von einem Besuch bei Präsident Bush in Kennebunkport zurückgekehrt, die USA würden Iran bombardieren. Das steigerte die Angst vor einem kurz bevorstehenden Militärschlag gegen Iran noch weiter. Sarkozy verbreitete in Frankreich und im übrigen Europa die Auffassung, daß die Amerikaner ernsthaft die Absicht haben, den Iran anzugreifen. Er zitierte die jüngsten Drohungen der Regierung Bush, das iranische Revolutionäre Gardekorps als internationale Terrororganisation einzustufen, als weiteren Beweis, daß der US-Präsident vorhat, den Iran ohne Zustimmung des US-Kongresses anzugreifen.
Barnett Rubin, Seniorpartner des Zentrums für internationale Zusammenarbeit der New Yorker Universität, veröffentlichte nach Gesprächen mit einem Insider im Weißen Haus seine eigenen Warnungen. Dieser hatte ihm berichtet, Cheney habe eine Reihe von rechten und neokonservativen Denkfabriken in Washington, angeführt vom American Enterprise Institute (AEI), angewiesen, Kriegspropaganda gegen Iran zu produzieren. AEI organisiert inzwischen zwei Veranstaltungen für den 10. September: eine Rede des ehem. Sprechers des US-Repräsentantenhauses Newt Gingrich und eine Buchvorstellung des neuesten Propagandawerks des erklärten Universalfaschisten Michael Ledeen, bei der neben Ledeen selbst auch James Woolsey und General a.D. Jack Kane auftreten sollen. Der Titel von Ledeens Buch lautet "The Iranian Time Bomb: The Mullah Zealot’s Quest for Destruction" (Die iranische Zeitbombe: Der Drang der fanatischen Mullahs zur Zerstörung).
Inerhalb einer Woche sickerte eine ganze Reihe von Details über die Kriegspläne der Regierung Bush an die Öffentlichkeit. Während des letzten Wochenendes veröffentlichten sowohl die London Times wie auch der London Telegraph reißerische Berichte über diese Kriegspläne, und zwei Mitarbeiter britischer Denkfabriken, Daniel Plesch und Michael Butcher, brachten eine 80-seitige Analyse heraus, in der sie für die Idee worben, die USA könnten Iran binnen weniger Tage in den Zustand eines "gescheiterten Staates" bombardieren.