Wer will die Kontrolle über das westliche Mittelmeer haben?

03.08.2026
Wer will die Kontrolle über das westliche Mittelmeer haben? klaus 03.08.2026

Seit fünf Monaten wirbt eine politische Kampagne in Washington dafür, dass die USA ihren Marinestützpunkt Rota in Spanien aufgeben sollen und daß Ceuta an Marokko übergeben werden soll. Schon im März drängte Michael Rubin, Senior Fellow am American Enterprise Institute (AEI), in Artikeln darauf, dass Washington Ceuta und Melilla zu „besetztem marokkanischem Gebiet“ erklärt, und rief Marokko dazu auf, eine große Zahl unbewaffneter Zivilisten über die Grenze zu schicken. Am 17. Mai veröffentlichte derselbe Rubin den Artikel „Das US-Militär sollte Rota durch Gibraltar ersetzen“, der vom Middle East Forum veröffentlicht und vom AEI weiterverbreitet wurde. Der Untertitel lautete: „Spaniens sozialistischer Ministerpräsident hat den Betrieb des Marinestützpunkts eingeschränkt, um seine Feindseligkeit gegenüber Trump und seine Sympathie für den Iran zum Ausdruck zu bringen.“ Präsident Trump sollte Spanien „das nicht verzeihen“.

Rubin erläutert den militärischen Wert von Rota: „Personal und Ausrüstung nutzen den Flugplatz, um auf Flugzeugträger und andere Schiffe, die im Begriff sind, die Straße von Gibraltar zu durchqueren, zu gelangen oder von Bord zu gehen.“ Da die Basis Lajes auf den Azoren nicht mehr genutzt werde und Souda Bay auf Kreta 1750 Meilen östlich liege, „stellt Rota einen wesentlichen Knotenpunkt in der US-Logistik dar“. Er fordert, diesen Knotenpunkt um 65 Meilen (gut 100 km) auf das britische Territorium Gibraltar zu verlegen. Das wäre eine Lehre für „Politiker kleiner Staaten, die sich mehr dem ideologischen Selbstdarstellen als einer ernsthaften Verteidigung verschrieben haben, dass die Stationierung von US-Streitkräften ein Privileg und kein Druckmittel ist“. Dass Spanien die britische Präsenz in Gibraltar ohnehin übel nimmt, „wäre das Tüpfelchen auf dem i“.

Beide Aspekte sind in seinem Schlusssatz zusammengefasst: „Trump sollte nicht nur Melilla und Ceuta als besetztes marokkanisches Gebiet definieren, sondern auch die US-Streitkräfte von Rota nach Gibraltar verlegen und das Pentagon anweisen, nicht länger vor Spanien in die Knie zu gehen.“ Die spanischen Einwände gegen das britische Gibraltar nennt er „heuchlerisch angesichts der Kolonialisierung von Ceuta und Melilla an der marokkanischen Küste durch Spanien“. Ein ähnlicher Artikel Rubins mit dem Titel „So sollte Trump gegen Spanien zurückschlagen“ erschien am 2. April im Washington Examiner.

Man betrachte dies auf einer Karte. Nördlich der Straße von Gibraltar liegen das britische Gibraltar und die spanischen Stützpunkte Rota und Morón; auf der südlichen Seite der Meerenge liegen das spanische Ceuta und Marokko. Rubins Programm verlagert die amerikanische Seemacht von der spanischen an die britische Küste und überlässt die Südküste Marokko. Damit würde Spanien die Meerenge von beiden Seiten versperrt und London und Rabat hätten die Kontrolle über den Zugang zum Mittelmeer. Dies ist also das erklärte Programm von Rubin vom AEI.

Seit 2020 berichten spanische und marokkanische Medien immer wieder, Rabat biete seinen Marinestützpunkt Ksar Sghir, an der Meerenge auf halbem Weg zwischen Ceuta und Tanger, als Ersatz für Rota an. Die US-Botschaft hat das bestritten. Die Geschichte tauchte am 2. März dieses Jahres erneut in La Razón auf. Auch in diesem Falle wäre die US-Seemacht an einer Meerenge stationiert, die Spanien nicht mehr kontrolliert.

Neben den Militärbasen geht es um Israels Stellung in Marokko. Seit einem Sicherheits-Kooperationsabkommen von 2021 hat Rabat Elbit Systems zu einem der wichtigsten Waffenlieferanten gemacht und ist, wie es die israelische Wirtschaftszeitung Globes formuliert, „ein riesiger Kunde für Israels Rüstungsindustrie“ geworden. Marokko kauft das Luftabwehrsystem „Barak MX“ von Israel Aerospace Industries im Rahmen eines Vertrags über 1 Milliarde Dollar, einen Aufklärungssatelliten desselben Unternehmens über einen ähnlich großen Vertrag von 2024, Haubitzen und „Hermes“-Drohnen von Elbit, „Harop“-Loitering-Munition, israelische Radarsysteme für marokkanische Kampfflugzeuge, und mit israelischen Partnern wurde in Marokko eine Drohnenfabrik gebaut. Im Januar unterzeichneten die beiden Regierungen beim dritten Treffen ihres Gemeinsamen Militärausschusses in Tel Aviv, fünf Jahre nach der Normalisierung, einen gemeinsamen militärischen Arbeitsplan für 2026. Die israelischen Streitkräfte nannten Marokko „einen Schlüsselpartner für regionale Stabilität“. Rechnet man den britischen Stützpunkt in Gibraltar hinzu, so bleiben als Mächte am westlichen Tor zum Mittelmeer die USA, Großbritannien und Israel, während Spanien, das einzige NATO-Mitglied, das seine Stützpunkte für den Krieg gegen den Iran verweigert hatte, von beiden Küsten verdrängt würde.

Quelle: eirna.de

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