Am 9.7. berichteten deutsche Regierungskreise, Verteidigungsminister Pistorius und sein US-Amtskollege Hegseth hätten am Rande des NATO-Gipfels in Ankara eine Absichtserklärung über den Kauf von Tomahawk-Raketen und eines kompatiblen Typhon-Abschußsystems für die Bundeswehr unterzeichnet.
In internen Plänen des Verteidigungsministeriums ist die Rede von bis zu 400 solcher Marschflugkörper, die genaue Zahl ist jedoch geheim, könnte also noch höher sein. Eine moderne Tomahawk kostet zwischen 1,2 und 1,8 Mio. €. Es ist kein Raketenabwehrsystem, sondern eine Erstschlagwaffe mit einer Reichweite bis 2500 km, und es wäre das erste Langstreckensystem in Deutschland seit der Pershing-Rakete. Moskau wird Berlins Entscheidung für die Stationierung mit Sicherheit als Überschreiten einer roten Linie ansehen, was die Gefahr von Vergeltungsschlägen erhöht. So könnte die Tomahawk – eine mobile Waffe, die von Lastwagen aus abgefeuert wird – zum Bumerang werden und Deutschland selbst zur Zielscheibe machen.
Der Kauf soll eine Übergangslösung sein, da Deutschland sich verpflichtet hat, in 5-7 Jahren eine eigene Langstreckenwaffe zu entwickeln, die mehr als 2000 km weite Ziele treffen kann. Das Gemeinschaftsprojekt ELSA (European Long Range Strike Approach) mit Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen und Schweden ist bereits angelaufen, und auch der Bau einer deutsch-britischen Langstreckenwaffe – vermutlich ein Hyperschall-Gleitflugkörper – wurde vereinbart. Die Geschichte der Verteidigungsprojekte in Europa läßt allerdings Zweifel daran aufkommen, ob die neuen Waffen im geplanten Zeitrahmen geliefert werden, sodaß die Tomahawks möglicherweise länger als erwartet in Deutschland stationiert bleiben.
Daß Deutschland die Hälfte der 50 Mrd.€ für das Raketenprogramm bezahlen soll, wird in anderen NATO-Ländern und insbesondere in den USA begrüßt, dürfte aber im eigenen Land politisch nach hinten losgehen, wo die Zustimmungswerte der Merz-Regierung ohnehin schon auf 13% gesunken sind. Immer mehr Kommentatoren sprechen über vorgezogene Neuwahlen bis Anfang 2027.