Die Strategiegruppe der WHO-Experten (SAGE) traf sich am Montag, den 13. Juli in Genf und veröffentlichte anschließend Richtlinien zur Schweinegrippe-Pandemie. Diese Gruppe von 15 internationalen Immunologen und Impfexperten wurde 1999 gegründet. Durch die Presse ging jetzt vor allem ihre Empfehlung, nach welcher Prioritätsliste geimpft werden sollte. Kaum berichtet jedoch wurde der erste Punkt ihrer Ausführungen. Darin heißt es, die einzelnen Nationen sollten in der gegenwärtigen Lage unbedingt "die Integrität ihrer Gesundheitssysteme und der entscheidenden Infrastruktur" verteidigen – also genau das Gegenteil dessen, was gegenwärtig im Gesundheitswesen der allermeisten Länder geschieht!
Mittlerweile erklärten französische Grippeexperten, sie rechneten für den Herbst "mit einer noch nie dagewesenen Schwere und Grössenordnung der Erkrankung" (Liberation, 13.7.09). Prof. Jan-Philipe Derenne vom Pariser Salpetriere Krankenhaus beschwerte sich über mangelnde Informationen bezüglich der genauen Diagnosen bei Todesfällen und Unklarheit aufgrund der großen Schwankungen in einzelnen Ländern, was das Verhältnis von Erkrankungen zu Todesfällen angeht.
Der Direktor des französischen Öffentlichen Gesundheitsinstituts, Antoine Flahault, beklagte die großen Diskrepanzen zwischen gemeldeten Fällen und der Dunkelziffer. In den USA beispielsweise rede man offiziell von ca. 35.000 Fällen, während andere Experten von bis zu einer Million sprächen. In Argentinien schwankten die Angaben zwischen 4000 bis zu 100.000 Fällen. Er finde es "unglaublich", daß solche Unsicherheiten über die Größenordnung ausgerechnet in Ländern vorkämen, die über die besten epidemiologischen Überwachungssysteme verfügten, wie die USA oder Großbritannien.