Wieviel ist Ihr Leben wert?

18.08.2009
Wieviel ist Ihr Leben wert? admin 18.08.2009

Der Kampf zwischen dem Nützlichkeitsdenken und dem Humanismus

In den heutigen Wirtschaftsschulen oder Studiengängen ist der Utilitarismus eine gängige Lehre. Dieser wägt jede Investition nach dem Kosten-Nutzen-Faktor ab und entscheidet dann, ob es sich lohnt, eine neue Technologie zu fördern oder nicht. Auch im Ethikunterricht ist dies eine entscheidende Frage, z.B.: „Wenn man nur ein Spenderherz zur Verfügung hat und fünf verschiedene Menschen auf eine Herztransplantation angewiesen sind – ein sechsjähriger Junge, der dieses Jahr die Schule beginnen soll, ein Vater von 35 Jahren, der zwei Kinder hat, ein zwölfjähriges Mädchen, das Klavier spielt und auf eine erfolgreiche Zukunft hoffen kann, eine 72 Jahre alte Frau, die den Widerständlern im Zweiten Weltkriege geholfen hat oder ein 58jähriger Mann, der versprochen hat, nach der OP seine ganzen Ersparnisse der Kinderstation des Krankenhauses zu spenden – wer sollte das Recht auf das Herz und somit aufs Überleben haben?"

Nun sind wir im Leben zwar manchmal mit solchen Fragen konfrontiert und müssen entsprechende Entscheidungen treffen, doch wenn junge Menschen in dieser Weise damit konfrontiert werden, deutet das oft auf eine gewisse Normalität hin, ein gängiges Verständnis vom Lebens. Die meisten würden sich wohl für die Kinder entscheiden, da die anderen ihr Leben ja schon gelebt haben, es den Kindern aber noch bevorsteht.

Obama hatte vor einigen Wochen verkündet, daß er zwei Billionen (2000 Milliarden) Dollar aus dem amerikanischen Gesundheitssystem herausnehmen will. Dies rechtfertigte er mit der Aussage,  „80 % aller Kosten der Gesundheitsversicherung treten in den letzten Monaten eines Menschenlebens auf", und es wäre wohl dann verschwendetes Geld, da diese Menschen ja sowieso bald sterben werden. Er selbst sagte, er habe die Hüftoperation seiner Großmutter aus eigener Tasche gezahlt, um dem Staat nicht zur Last zu fallen. Doch wer kann sich heute eine Hüftoperation für ein Familienmitglied leisten?

Es wurde also eine klare Entscheidung darüber getroffen, welches Leben es wert ist, zu leben und welches nicht. Gerade in Deutschland ist das eine sehr bekannte und berüchtigte Betrachtungsweise. Unter den Nazis begann die Politik in Deutschland auch zuerst mit der „Aufklärung" der deutschen Bevölkerung darüber, wie kostenintensiv Menschen mit Erbkrankheiten oder alte Menschen sind und wie viel besser es doch wäre, dasselbe Geld für Neuverheiratete zu nutzen, damit diese einen besseren Start ins Leben haben können. Heute wird das „Sparen" als ein Totschlagargument genutzt, denn täglich wird uns durch die Medien klar vermittelt, daß wir „über unsere Verhältnisse gelebt haben". Zuerst müßten die Schulden der Spekulation abgezahlt werden, erst dann könnte man an die arbeitende Bevölkerung denken und dann, ja dann auch an die Hilfsbedürftigen.

Innerhalb des jetzigen Systems ist das vollkommen einleuchtend, denn irgendwoher müssen die Gelder für den Erhalt des toten Finanzsystems ja mobilisiert werden, aber wenn wir uns an die schleichende Entwicklung der dreißiger und vierziger Jahre in Deutschland erinnern, wissen wir, welche Ausmaße diese Politik annehmen kann.

Dieser Irrsinn ist aber schon lange veraltet

Die Ideen für diese effiziente Handhabung der zur Verfügung stehenden Gelder haben aber eine längere Geschichte. Die Haileybury-Schule der Ostindiengesellschaft des Britischen Empire im 18. Jh. schuf ein Wirtschaftssystem, mit dem die Kolonialpolitik gerechtfertigt werden konnte. Adam Smith, David Ricardo und Thomas Malthus sind einige der Namen dieser Zeit, die man im heutigen Wirtschaftsstudium als die Denker der Wirtschaft präsentiert, ohne ihren eigentlichen geschichtlichen Hintergrund zu beachten. Jeremy Bentham war einer der Präger des Utilitarismus, der den Kosten und Nutzen Faktor als einen der Hauptzentren des wirtschaftlichen Denkens bestimmte.

Nach dieser Idee muß das Produkt, in das man investiert, mehr Geld bringen, als der Bau und die Aufwartung gekostet hat. Nun schaue man sich die Preise der Deutschen Bahn oder der städtischen Verkehrsbetriebe an – sie sind größtenteils hoch und decken immer noch nicht die anfallenden Kosten für den Bau und die Reparaturen. Sollten wir diese Auffassung von Kosten und Nutzen vollkommen vertreten, müßten wir also noch einmal das Doppelte drauflegen. In diesem Falle könnten sich aber die meisten Bürger eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht mehr leisten und müßten Zuhause bleiben.

Ähnlich ist es auch mit der Wasser- und Energieversorgung und mit den Krankenhäusern. Einige Krankenhäuser und auch Arztpraxen in Deutschland wurden in den letzten Jahren aufgrund „mangelnder Gewinne" geschlossen, und wir sind jetzt in einer Situation, in der die Bürger von ländlichen Gebieten viele Kilometer zur nächsten Praxis fahren und die Großstädter teilweise Wartezeiten von Monaten in Kauf nehmen müssen, um zu einem Spezialisten gehen zu können.

Auch sonst soll man sparen. Ulla Schmidt z.B. bemerkte, man brauche keinen Ultraschall mehr für die Krebsuntersuchung, denn Krebs könnte man ja auch ertasten. Jeder, der selbst eine Krebserkrankung hatte oder bei dem so ein Fall in der Familie vorkam, weiß, wie weit diese Krankheit schon fortgeschritten sein kann, wenn man sich auf das „Tasten" verläßt. Doch auch ein Arzt aus Nordrhein-Westfalen sagte schon, daß die „Hemmschwelle, zum Arzt zu gehen, noch sehr niedrig ist", viele Bürger wüßten gar nicht, wie „teuer" sie eigentlich sind.

Die Heiligsprechung des Geldes führt zum Faschismus

Doch wie bereits erwähnt, ist das die notwendige Konsequenz des derzeitigen Finanz- und Wirtschaftssystems. Das monetäre System dreht sich, wie der Name schon sagt, um Geld. Geld ist der Ausgangspunkt, denn „man kann ja nur mit dem Geld wirtschaften, das man zur Verfügung hat", und Geld ist das Endziel. Nur in diesem Heiligtum könne man seine Erfüllung finden, denn schließlich kann man sich ja alles davon kaufen.

Menschen erfüllen demnach zwei Aufgaben: Sie sind Arbeiter und erwirtschaften Geld, und sie sind die Kaufkraft, denn sie kaufen mit dem erwirtschafteten Geld ein und halten so die Wirtschaft am Laufen. Der Mensch arbeitet hier also für das System – er ist nur ein notwendiger Teil.

Nach dem monetären System sind nur kleine Schritte erlaubt, denn große Investitionen, insbesondere staatliche, brauchen ihre Zeit und erwirtschaften keinen sofortigen Gewinn. Aufgrund des gehemmten Wachstums könnten also nur diejenigen Menschen wirklich versorgt werden, die Nutzen bringen – also Arbeits- und Kaufkraft sind; allen anderen (alte Menschen, Behinderte, Langzeitkranke…) könne nur eine gewisse oder vielleicht auch gar keine Versorgung zugestanden werden.

Jeden, dem noch das Herz für den Menschen schlägt, widert diese Betrachtungsweise an, doch leider wird sie mehr und mehr zur Realität. Denn auch in Deutschland sind unsere Sozialsysteme nach einigen Reformen mehr und mehr zu Kastensystemen geworden, in denen ein Teil sich alle Zuzahlungen leisten kann, ein Teil schweren Herzens und nur in bestimmten Fällen und ein Teil gar nicht mehr zum Arzt geht, da die anfallenden Zuzahlungen nicht bezahlbar sind.

Doch wenn dies dem liebendem Bürger widerstrebt, weshalb scheint dann die heutige Situation so aussichtslos zu sein?

Die Geschichte zeigt uns, daß diese Ideen eben von Vertretern eines Imperiums kommen, und wenn man sich die Kolonialpolitik der Briten in Indien oder Afrika anschaut, dann sieht man, daß der Mensch in diesem System keinen anderen Wert besaß als arbeitendes Vieh.

Was ist aber der Unterschied zwischen Vieh und dem Menschen?

Wenn wir uns an die Frage am Anfang erinnern und bedenken, daß die meisten gerne den Kindern das Leben schenken würden, dann hat das seine Gründe. Natürlich würden wir auch lieber ein erwachsenes Schaf schlachten als ein Lamm, denn schließlich ist dieses erst ein paar Woche alt, doch geht es hier nur um das Leben des einzelnen Jungtieres, das uns mit seinen Kulleraugen mitleidsuchend anschaut.

Beim Menschen ist es aber noch etwas Anderes. Denn die junge Pianistin spielt nicht nur für sich, sondern wird viele andere Menschen mit schön gespielten Stücken zu Tränen rühren, und vielleicht knüpft sie auch an die Tradition von Johannes Bach, Mozart, Beethoven, Brahms u.a. an und entwickelt die musikalische Komposition weiter. Der kleine Junge, aber auch ältere Menschen, könnten noch wichtige Durchbrüche in den Wissenschaften und Künsten haben und die gesamte Menschheit durch ihre Entdeckungen weiterbringen.

Die anfallenden Kosten bei einem Nutztier lassen sich mit dem Ertrag aus dem Fleisch oder der Milch abwägen, doch ist es nicht möglich, die Kosten einer Operation eines Menschen mit den Potentialen für neue Entdeckungen, die er haben kann, aufzuwiegen.

Heute sind wir aber durch die Ideologien des britischen Imperiums oder des Kommunismus, dessen Hauptvertreter Karl Marx selbst mit britischen Imperialisten zusammengearbeitet hat, geknechtet, und beide Philosophien sehen den Menschen nun einmal nur als notwendigen Bestandteil eines Systems.

Es ist also wichtig, zuerst einmal die Natur des Menschen zu betrachten, wenn wir einen Ausweg aus den Abwärtsspirale der heutigen Wirtschaft suchen, nachdem die Finanzkrise die unmenschliche Politik der vergangenen Jahrzehnte offensichtlich gemacht hat.

Um den Menschen zu verstehen, muß man sich seinen Platz im Universum selbst anschauen.

Wladimir Wernadskij, ein bedeutender ukrainisch-russischer Wissenschaftler, beschrieb drei verschiedene Sphären unserer Welt – die abiotische Sphäre (tote Materie wie Steine), die Biosphäre (lebendige Materie wie Tiere und Pflanzen, auch die Nebenprodukte des Lebens, so wie Kohle und, so weit wir wissen, auch Sauerstoff) und die Noosphäre (der Mensch und seine geistigen Kräfte, sowie die Produkte, die durch die Entdeckungen der Menschen entstehen – von den einfachsten Werkzeugen, bis hin zu Spitzentechnologien wie dem Hochtemperaturreaktor).

Interessanterweise sind in den vergangenen Jahrtausenden die Biomasse und ihre Fossile um einiges schneller gewachsen als die tote Materie und hat diese anders organisiert. So wurden Felsen, auf denen sich Pflanzen und Tiere begannen wohl zu fühlen, vollkommen umorganisiert. Das ist ganz einfach durch die Überlegenheit des Lebens gegenüber dem Toten zu erklären. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist im lebendigen Organismus bedeutend schneller, als in den Atomen eines toten Dinges.

Der Mensch trägt, biologisch gesehen, diese Veränderung auch in sich, doch bei ihm kommt noch ein weiteres Prinzip hinzu: nämlich sein Bewußtsein über die Veränderung und somit seine Macht, auf die Art und Weise der Veränderung und die Schnelligkeit der Veränderung Einfluß zu nehmen.

Die Geschichte lehrt uns viel über unsere eigene Identität

Wir können in der Geschichte der Menschheit sehen, daß es in den Blütezeiten der Kulturen, in denen viele Menschen Zugang zu den Wissenschaften und Künsten hatten und diese weiterentwickelt haben, auch einen Anstieg in der Bevölkerungszahl der Menschen gab. Denn das Verständnis der Gesetzmäßigkeiten im Universum ermöglicht es, dieses Wissen auf die Verbesserung der Wirtschaft und die Erhöhung des Lebensstandards der Menschen, durch Technologien, anzuwenden. Das heißt, der Mensch kann über natürliche Grenzen, in welche Tiere und Pflanzen eingebunden sind, hinauswachsen, indem er seine Geisteskräfte nutzt.

In der Tier- und Pflanzenwelt sind Aufwand und Nutzen zugrundeliegende Faktoren, um eine gewisse Ordnung beizubehalten. Es sterben nicht alle Pflanzen aus, da die Zahl der pflanzenfressenden Tiere zurückgeht, sobald ein großer Teil der Pflanzen, die zur ihrer Nahrung gehören, in einem bestimmten Gebiet aufgefressen ist.

Der Mensch aber kann darüber hinausgehen – wir betreiben Agrarwirtschaft und können die Anzahl der benötigten Produkte steigern und durch bestimmte Verfahren sogar das Wachstum begünstigen.

Im Apollo-Projekt unter Kennedy überlegte man, wie man die Menschen auch unter lebensunfreundlichen Bedingungen, etwa auf dem Mond oder auf dem Mars, ernähren könnte. Mit den Technologien der Hydrokultur oder Aerokultur können wir Nahrung unabhängig von den Bodenbedingungen anbauen. Durch Wasser, das mit den benötigten Mineralien angereichert ist (Hydrokultur) oder Luft (Aerokultur) können Pflanzen wachsen und gedeihen, um dann schmackhaft und nahrhaft auf unserem Teller zu landen – ganz ohne die Gefahr von Dürre, Parasitenbefall oder Krankheiten, und ohne den Boden durch Pestizide oder Insektizide zu belasten.

Die geistigen Fähigkeiten des Menschen sind also der wichtigste Bestandteil unserer Wirtschaft, und diese gilt es deshalb auch wieder in den Mittelpunkt zu setzen.

Untertanenmentalität entspricht nicht den Gesetzen des Universums

Seit Aristoteles gibt es viele Philosophen, die der Auffassung sind, daß der Mensch sein Wissen nur „von außen" erlangt, was eigentlich alle neuen Erkenntnisse verneinen würde, da er ja durch Betrachtung seiner Umwelt allein und durch Zusammensetzen verschiedener Dinge, die bereits vorhanden sind, sein Leben organisieren kann. Doch schon in Platons Menon-Dialog widerlegt Sokrates diese Auffassung, in dem er einen ungebildeten Sklaven eine geometrische Aufgabe lösen läßt.

Johannes Kepler bezieht sich in seiner Arbeit über die Weltharmonie auf Proklos und stellt sich die Frage:

    „Wenn wir behaupten, die mathematischen Begriffe werden von den Sinnendingen her begründet, indem die Seele, von den materiellen Dreiecken oder Kreisen ausgehend, den Begriff Kreis oder Dreieck aus sich selbst, gleichsam in einer nachträglichen Erzeugung, bildet, so frage ich, woher haben die Definitionen ihre so große Gewißheit und Genauigkeit?

    Diese wird herrühren entweder von den Sinnendingen oder von der Seele selber. Es ist aber unmöglich, daß sie von den Sinnendingen herrührt; denn den Definitionen wohnt eine viel größere Feinheit und Genauigkeit inne. Also rührt sie von der Seele her, die dem Unvollkommenen Vollkommenheit, dem Groben und Ungenauen jene feine Genauigkeit verleiht."

So können wir uns einen vollkommenen Kreis vorstellen, obwohl dieser nicht in der Natur vorkommt; alles Kreisähnliche vergleichen wir also nur mit unserer geistigen Vorstellung. Um wie vieles aber sind die von Menschen geschaffenen Produkte, (wie in diesem Fall das Rad), näher an der vollkommenen Vorstellung?

Das rückt unser Menschenbild in ein ganz anderes Licht, denn dann ist das Potential der menschlichen Kreativität nicht nur eine Zufälligkeit, sondern ein uns innewohnendes Prinzip.

Wie dem Leben das Prinzip der Veränderung innewohnt, so wohnt uns also das Prinzip der bewußten Veränderung inne. Wir können also zu jeder Zeit über bestehende Grenzen hinauswachsen. (Das wird Einige laut aufschreien lassen, denn das heißt auch, daß wir unsere Untertanenmentalität, „man kann ja sowieso nichts machen", ablegen müssen, denn wir haben die Möglichkeit, das heutige System zum Besseren zu verändern.)

Die Industrialisierung wäre nicht möglich gewesen, wenn wir ewig von der ersten menschlichen Entdeckung, dem Feuer, abhängig gewesen wären. Das notwendige Aufkommen von Holz, das wir bräuchten, um unsere Stahlwerke zu betreiben, könnte unsere Erde nicht hergeben – nicht einmal mit Hilfe der Aufforstung. Kohle und Öl, die lange Zeit als nutzlose Dinge galten, wurden vom Menschen als Stoffe entdeckt, die eine viel höhere Energieflußdichte als Holz haben. Nur durch solche Entdeckungen konnte man erst einmal die notwendige Energie für die Industrien bereitstellen. Doch auch andere Entwicklungen der Vergangenheit, wie der Eisenbahn, zeigen, daß der Mensch nicht von der Natur abhängig sein muß. Oder hat schon einmal jemand eine Ameise ihren langen Weg auf einem Vehikel zurücklegen sehen?

Damit eine solche wirtschaftliche Revolution auch in Deutschland geschehen konnte, mußte Friedrich List viele Jahre kämpfen. Seine Jahre in den Vereinigten Staaten verbrachte er damit, das amerikanische Wirtschaftssystem zu studieren. In den USA baute man damals das Eisenbahnnetz auf und in den sechziger Jahren unter Abraham Lincoln und seinem Wirtschaftsberater Henry Carey schließlich die Transkontinentale Eisenbahn – vom Osten bis zum Westen Amerikas.

Zurück in Deutschland mobilisierte Friedrich List die Bevölkerung für diese revolutionäre Technologie und suchte Investoren, die den Mut hatten, in die Zukunft zu investieren. Mit dem Bau der einzelnen Strecken an sich konnte man erst einmal keine großen Gewinne erwirtschaften, doch als dieses Projekt unter Bismarck einen nationalen Charakter annahm, verbesserte sich die Lebensqualität der Menschen um ein Vielfaches – so verzehnfachte sich die Stahlproduktion in 20 Jahren, der Lohn stieg um mehr als das Doppelte an, und mehr als 20 Millionen mehr Menschen konnten in Deutschland leben. Was für ein Gewinn!!!

Damit die Menschen ihre geistigen Fähigkeiten ausbilden können, brauchen sie ja erst einmal die notwendige wirtschaftliche Sicherheit. Daß heute nur wenig Wissenschaftler aus den Dörfern Afrikas kommen, liegt nicht daran, daß diese Völker durch irgendwelche genetischen Defizite nicht das geistige Potential hätten, sondern daran, daß sie durch die verheerenden wirtschaftlichen Bedingungen gar keine Zeit haben, es zu entwickeln, da man ja erst einmal physisch überleben muß.

Die eigentliche Aufgabe der Wirtschaft

Die Erhöhung der Lebensqualität der Bürger ist also die Aufgabe des Wirtschaft- und Finanzsystems.

Um dies zu ermöglichen, muß die menschliche Kreativität gefördert werden.

Alexander Hamilton, der mit anderen die amerikanische Revolution anführte, um Amerika von den Fesseln der Wirtschaftspolitik des britischen Imperiums zu befreien, verstand das. Er war der erste Finanzminister der Vereinigten Staaten und entwickelte die Idee des Nationalbanksystems. Die USA waren durch den Unabhängigkeitskrieg hoch verschuldet, und Hamilton schaffte es durch das Kredit- und Nationalbanksystem, diese Schulden in Kredite umzuwandeln. Man darf sich nicht davon verwirren lassen, denn die Kredite waren damals nicht dafür da, mehr und mehr Geld zu schaffen, so wie heute. Das Geschäft beruhte darauf, das Geld in produktive Arbeitsprozesse zu investieren – hauptsächlich in das Manufakturwesen. Die amerikanische Regierung gab damals Staatskredite aus, die genutzt wurden, um die reale Wirtschaft aufzubauen. Durch eine produktivere Wirtschaft konnten die Schulden abgearbeitet werden. Vor allem aber wurde das Gemeinwohl der amerikanischen Bevölkerung erhöht!

Hamilton wußte auch um die Bedeutung privater Firmen, auch wenn der Begriff des Mittelstandes damals noch nicht geprägt war. Viele einzelne Betriebe sind, im Gegensatz zu Kartellen, in einem stetigen Wettbewerb, der dazu führt, daß alle Firmen immer auf Qualität und Wachstum bedacht sein müssen. Anstatt also alle Gewinne einzuscheffeln, muß ein großer Teil des erwirtschafteten Einkommens wieder investiert und zur Verbesserung der Produktion müssen neue Technologien eingesetzt werden.

Durch das Manufakturwesen konnten die Menschen in bestimmten Arbeitsbereichen tätig sein und hatten Zeit, diese zu verbessern. Für jede Verbesserung im Arbeitsprozeß wurden Prämien ausgezahlt – so wurden die Menschen angeregt, sich selbst und ihre Arbeit weiterzuentwickeln.

Genau diese Ideen sind in der amerikanischen Verfassung verankert, was ein wichtiger Grund ist, mit den USA heute in der Gründung eines neuen Finanzsystems zusammenzuarbeiten.

Das entscheidende bei einem Kreditsystem ist, daß neue Errungenschaften der Menschheit gefördert werden. Also das Gegenteil dessen, was z.B. der Megaspekulant der zwanziger Jahre J.P. Morgan sagte, der gegen die Bevölkerung spekulierte und so die Wirtschaftsdepression mit verursachte – in neue Industriezweige investiere er nicht, da sie ihm keinen sicheren sofortigen Gewinn brächten -, und auch das Gegenteil dessen, was die deutsche Bundesregierung 2008 sagte, nämlich, der Bau des Transrapid in München werde nicht gefördert, da wir das Geld dafür nicht hätten.

Die Wirtschaft muß auf langfristigen Großprojekten aufgebaut sein, denn nur so kann man die Lebensqualität der Bürger wirklich verbessern.

Als man im 19. Jh. das erste Überseekabel durch den Atlantik verlegen wollte, dachte man zuallererst daran, welche Verbesserung in der Kommunikation zwischen den beiden Kontinenten dies herbeiführen würde, und nicht daran, ob man „es sich leisten kann". Bei diesem Projekt mußten viele Rückschläge hingenommen werden. Mehrmals riß das Kabel, was Tausende Dollar an Verlust bedeutete, oft versank das tonnenschwere Kabel an der falschen Stelle, und man mußte es wieder hochziehen, und auch andere Schwierigkeiten traten auf, die alle bewältigt wurden.

Wenn man bedenkt, welche möglichen Probleme man heute anführt, weshalb der Transrapid nicht gebaut werden könne, obwohl man weiß, welche Verbesserungen diese Technologie in der Wirtschaft und in der Lebensqualität erzielen würde, merkt man, daß bei vielen unserer Volksvertreter das Herz in der Hose und nicht am rechten Fleck sitzt.

Mit welcher Bevölkerung kann man solch ein Wirtschaftssystem schaffen?

Für solch ein großes Denken bedarf es aber auch einer Bevölkerung, die groß denkt, aber gerade hier finden wir leider genau so viele Kleindenker wie in der Politik. „Nicht übermütig werden!" „Warum sollten die Afrikaner Technologien bekommen? Die wissen ja noch nicht einmal, wie sie mit der Landwirtschaft umgehen sollen. Die wissen doch gar nicht, wie man mit den Technologien umgehen soll." „Ja natürlich wäre das gut, aber wir können ja gegen die da oben (die Götter auf dem Olymp?) sowieso nichts machen." usw.

Percy B. Shelley beschreibt, wie wichtig das große Denken und die Ziele für jeden Einzelnen sind:

    „Die Dichtungen Homers und seiner Zeitgenossen waren das Entzücken des jungen Griechenland; sie waren die Bausteine jenes gesellschaftlichen Systems, welches das Podest darstellt, auf der alle nachfolgende Zivilisation ruhte. Homer verkörperte die ideale Vollkommenheit seiner Zeit hinsichtlich des menschlichen Charakters; und zweifellos wurde in denen, die seine Verse lasen, der Ehrgeiz geweckt, Achilles, Hector und Odysseus gleich zu werden. Die Wahrheit und Schönheit von Freundschaft, Vaterlandsliebe und beharrlicher Hingabe an ein Ziel wurden in diesen unsterblichen Schöpfungen bis in die letzten Tiefen aufgehellt; die Gefühle der Zuhörer wurden durch die Sympathie mit solch großen und schönen Charakteren geläutert und geweitet, bis die Bewunderung zur Nachahmung führte und die Nachahmung zur Identifikation mit dem Gegenstand der Bewunderung."

Vielleicht sollten wir uns also einfach mal andere Vorbilder nehmen als gewisse Hollywoodschauspieler und andere Sternchen, die sowieso verfrüht an Drogenmißbrauch sterben und ihr Leben lang nie wirklich in der Realität gelebt haben. Es gibt noch mehr Menschen in der Geschichte, die es geschafft haben, ein altes Denksystem zum Besseren zu verändern.

Und wie Friedrich Schiller sagte, muß sich das Individuum veredeln, um die Gesellschaft verbessern zu können.

Eine Wirtschaft, die die Menschen ernährt, ein Gesundheitssystem, das sie schützt, und eine Gesellschaft, die sie fördert, werden wir also nur erreichen können, wenn wir die Idee vom Menschen zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungen der Politik  machen.

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