Das Wirtschaftsprogramm für das russische Östliche Wirtschaftsforum, das vom 3. bis 6. September in Wladiwostok stattfindet, wurde am 12. August veröffentlicht. Das Hauptthema lautet: „Der Ferne Osten: Zusammenarbeit für Frieden und Wohlstand“.
Das Forum, das dieses Jahr sein 10. Jubiläum feiert, ist von besonderem Interesse und Bedeutung, da es nach dem Gipfeltreffen zwischen Präsident Putin und Präsident Trump am 15. August und nach zwei wichtigen internationalen Ereignissen in China stattfindet: dem Treffen der Shanghai Cooperation Organization vom 31. August bis 1. September und der Feier zum Sieg über die japanische Aggression und die Niederlage des Faschismus am 3. September. Jeder europäische Staats- oder Regierungschef, der sich noch einen Rest strategischen Denkens bewahrt hat, wäre aus offensichtlichen Gründen gut beraten, selbst daran teilzunehmen oder zumindestens eine hochrangige Delegation zu senden.
Der Wandel in der Welt, der am 15. August auf dem Gipfeltreffen zwischen Präsident Trump und Präsident Putin in Alaska begann und wegführt vom Abgrund einer Konfrontation zwischen Atommächten, muss vor dem Hintergrund der größeren tektonischen Verschiebungen in der Weltordnung gesehen werden. Das geopolitische, unipolare System ist vorbei, und immer mehr Nationen der Welt, wie die BRICS+ – Staaten, organisieren sich neu in neuen Formen der Zusammenarbeit und Kooperation für eine längst überfällige Entwicklung.
Und wenn man das neue Interesse am Beringstraßen-Tunnel-Korridor, der Russland mit Nordamerika verbinden soll, in diesem Zusammenhang betrachtet, eröffnen sich enorme neue Entwicklungsperspektiven.
Insgesamt sind im Rahmen des EEF-Programms rund 90 Sitzungen geplant, die in sieben Themenblöcke unterteilt sind. Auf der Tagesordnung stehen Geschäftsgespräche mit China, Indien, ASEAN, Thailand und Myanmar. Voraussichtlich werden 6.000 Menschen und Unternehmen aus mehr als 35 Ländern daran teilnehmen.
Es gibt zahlreiche Veranstaltungen zur Nordostpassage, zum asiatisch-pazifischen Raum und zu verwandten Bereichen sowie zu Handels- und Entwicklungskorridoren. Zwei der sieben Themen lauten beispielsweise: „Der Ferne Osten: Eine Region zum Leben und für Entwicklung“ und „Wachstumsadern: Wie die Logistik den wirtschaftlichen Wandel vorantreibt“. Die letztgenannte Kategorie umfasst Veranstaltungen zu den Themen „Die Rolle des Fernen Ostens für die Gewährleistung der Transporthoheit Russlands“, „Die nördliche Versorgungsroute: zuverlässig, schnell und erschwinglich“ und „500 Jahre vor uns: Von der Entdeckung zur Spitzentechnologie auf der Nordostpassage“. Ein wichtiger Aspekt ist die Frage, wie der „transarktische Transportkorridor“ weiterentwickelt werden kann. Die Beringstraße ist das Tor, und eine interkontinentale Ost-West-Landverbindung würde die Welt verändern.
Der russische Ferne Osten wird von Anton Kobjakow, dem Exekutivsekretär des EEF-Organisationskomitees und Berater von Präsident Putin, als „nicht nur Russlands Tor zum asiatisch-pazifischen Raum, sondern auch als wichtiges Zentrum des Wirtschaftswachstums“ beschrieben. „Einzigartige Präferenzregelungen, groß angelegte Infrastrukturprojekte und systematische Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft machen die Region bereits jetzt attraktiv für Investitionen und Innovationen. Das Östliche Wirtschaftsforum spielt in diesem Prozess eine besondere Rolle. Das Forum ist zur wichtigsten Plattform für den Aufbau langfristiger Partnerschaften mit führenden asiatischen Ländern geworden …“
Präsident Wladimir Putin hat die Entwicklung des riesigen russischen Fernen Ostens zu einer „nationalen Priorität für das 21. Jahrhundert“ erklärt, wie es in einer Erklärung heisst, die prominent auf der Website des Östlichen Wirtschaftsforums veröffentlicht wurde:
„Wir haben die Entwicklung des Fernen Ostens als nationale Priorität für das gesamte 21. Jahrhundert festgelegt. Die Bedeutung und Richtigkeit dieser Entscheidung wurde durch das Leben selbst, durch die Herausforderungen, denen wir in letzter Zeit gegenüberstanden, und vor allem durch die realen Trends bestätigt, die in der Weltwirtschaft an Dynamik gewinnen, wo sich die wichtigsten Geschäftsbeziehungen, Handelswege und generell die gesamte Entwicklungsrichtung zunehmend nach Osten und in den globalen Süden verlagern.
Im Wesentlichen ist der Ferne Osten heute ohne Übertreibung zum wichtigsten Faktor für die Stärkung der Position Russlands in der Welt und zu unserem Aushängeschild in der neuen globalen Wirtschaftsrealität geworden. Und die Zukunft unseres gesamten Landes hängt in hohem Maße davon ab, wie sich der Ferne Osten entwickelt.“
Der Ferne Osten Russlands ist riesig: 2,7 Millionen Quadratmeilen (6,2 Millionen Quadratkilometer). Die 48 kontinentalen US-Bundesstaaten haben eine Fläche von 3,1 Millionen Quadratmeilen (8 Millionen Quadratkilometer). Der russische Ferne Osten macht also 86 % der Landfläche der kontinentalen oder zusammenhängenden Vereinigten Staaten aus. Die Bevölkerungsdichte im Fernen Osten insgesamt ist verschwindend gering: 0,42 Einwohner pro Quadratmeile (1,1 Einwohner pro Quadratkilometer). Die russische Regierung hat in den letzten zwei Jahrzehnten enorme Summen in die Entwicklung des Fernen Ostens investiert, in die Infrastruktur und auch in Maßnahmen, um Russen davon abzuhalten, in den Westen des Landes zu ziehen.
Das Bauen im Fernen Osten erfordert manchmal spezielle Techniken, da der Boden permanent gefroren ist oder aus Permafrost besteht, der zwei Jahre lang gefroren sein kann, dann auftaut und sich in Schlamm verwandelt. Das Wetter kann bitterkalt sein. Dies muss bei allen Infrastrukturprogrammen berücksichtigt werden, insbesondere aber beim Bau von Eisenbahnen. Derzeit befinden sich im Fernen Osten mehr als 290 Projekte in der Bauphase. Die russische Regierung hat derzeit über 200 Milliarden Rubel in Straßen, Brücken und Versorgungsnetze investiert. Außerdem baut sie eine Flotte von atomgetriebenen Eisbrechern für die Nordostpassage, die sich von der Barentssee bis zur Beringstraße erstreckt. Darüber hinaus gibt es private und gemischte Unternehmungen, wie beispielsweise den Bau neuer Häfen in Utrenny (im Tjumen-Oblast) und Sabetta (im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen) sowie die Modernisierung von sechs bestehenden Häfen. Es wird der New Land Grain Corridor gebaut, um den weltweit ersten spezialisierten Getreidebahnterminal im russischen Fernen Osten zu errichten. Er wird maßgeblich von China finanziert, was China eine stabile Nahrungsmittelversorgung und Russland einen Markt für landwirtschaftliche Erzeugnisse sichert. China spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Entwicklungsprojekten im Fernen Osten.
Quelle: eirna.de