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Ein Wochenende mit Kepler, Bach, Schiller und Mendelssohn

Eine neue Renaissance für die Menschheit zu bauen, die Entdeckungen großer Geister der Geschichte nachzuvollziehen, die Einheit von Wissenschaft, Kunst und Politik wiederherzustellen - das war auch beim jüngsten Wochenendseminar das Leitmotiv intensiver Arbeit.

Vom 20-22. April fand bei Berlin eine Wochenendkaderschule der LaRouche-Jugendbewegung (LYM) statt. Zwei Tage lang beschäftigten sich 50 junge Leute mit grundlegenden Fragen von Politik, Wirtschaft, Naturwissenschaft und klassischer Kunst als einheitlichem Prozeß, um jungen Erwachsenen die Mittel in die Hand zu geben, die Führungsqualitäten zu entwickeln, die die Menschheit in den kommenden 50 Jahren brauchen wird.

Die Welt hat mittlerweile einen Zerfallszustand erreicht, der den Versuch, Veränderungen bloß von unten und im kleinen zu erreichen, völlig impotent erscheinen läßt. Längst haben Schulen und Universitäten das Schiller-Humboldtsche Bildungsideal der Charakterbildung und der schönen Seele vergessen. Man bekommt Wissen bestenfalls in möglichst kleinen, nicht zusammenhängenden Schachteln präsentiert, deren Herkunft wie durch dichten Nebel verschleiert wird.

[i]Wissenschaft oder Aberglaube[/i]

Die erste Präsentation gab am Freitag abend Bruce Director, Autor der pädagogischen Serie [i]Riemann for Antidummies[/i]. Bruce, der schon seit Jahren die wissenschaftliche Arbeit der LYM auf mehreren Kontinenten unterstützt und inspiriert, ging insbesondere auf die Bedeutung der jungen Generation ein, den Paradigmenwandel der 68er-Generation rückgängig zu machen, um wieder ein wissenschaftliches Menschenbild zu etablieren. Teil davon müsse es sein, die Einheit zwischen klassischer Kunst und Naturwissenschaft wiederherzustellen. Man könne sich als Lehrstück anschauen, wie Platon und Sokrates die Korruption und Sophismen ihrer Zeit bekämpften. Die weitverbreitete Irrationalität der heutigen Menschheit habe ihre Vorläufer in der Verwässerung der antiken ägyptisch-griechischen, astrophysikalischen Kultur durch den irrationalen Aberglauben einer babylonischen Priesterkaste, die die komplizierten Planetenbewegungen als den Willen der Götter interpretierte, den nur die Priesterkaste durch gehörige Opfergaben zu besänftigen wußte.

Auch heute in unserem scheinbar aufgeklärten Zeitalter sei die gleiche Verwässerung von Wissenschaft mit Aberglauben vorhanden. Diesmal allerdings sei dies eine existentielle Frage der Menschheit, da die ganze Menschheit in einem nie zuvor dagewesenen Ausmaß wirtschaftlich und politisch verknüpft sei. Ein Beispiel für wirklich irrwitzigen Aberglauben sei der Schwindel von der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung. Die ultimative Perversion von Wissenschaft finde in Al Gores Märchenfilm [i]Eine unbequeme Wahrheit[/i] statt. Aberglaube, egal ob durch eine Priesterkaste oder den IPCC verbreitet, sei jedoch nur eine pubertäre Macke der Menschheit, die schließlich durch wirkliche Wissenschaft zu überwinden sei. Darüber hinaus müsse die Menschheit die moralische Tauglichkeit entwickeln, sich gegen künftige Korruption immun zu machen.

[i]Einheit von Wissenschaft und Kunst[/i]

Im Anschluß an Bruce hielten Karsten, Portia und Florian von der LYM einen Vortrag über die Einheit von Wissenschaft und Kunst anhand von Keplers [i]Weltharmonik[/i], Schillers Gedicht [i]Die Kraniche des Ibykus[/i] und Beethovens Klaviersonate Nr. 1. Florian stellte die von der LYM aufgebaute Internetseite zu Keplers [i]Weltharmonik[/i] vor und zeigte, daß die Abstände zwischen den Planeten und deren Aphelen und Perihelen nach musikalischen Intervallen geordnet sind. Diese Aussage, die für moderne Physiker einen Schock bedeutet, beweist eindeutig, daß unser Universum nicht chaotisch ist, sondern durch allumfassende Prinzipien wohlgeordnet ist, Prinzipien, die den Lauf der Gestirne und zugleich die musikalischen Töne bestimmen (siehe [i][url:"http://www.wlym.com/%7Eanimations/harmonies]www.wlym.com/~animations/har...).[/i] Die Beispiele von Schiller und Beethoven zeigten, wie wichtig es ist, daß ein Interpret sich mit der moralischen Absicht des Kunstwerkes beschäftigt. Ohne Komma, Pausen und bewußte Akzentuierung geht der Unterschied zwischen einer Beethoven-Sonate und Fahrstuhlmusik verloren. Wenn es dem Künstler gelingt, dem Werk einen Teil seiner Seele mitzugeben und somit das Publikum zu erheben, so kann man von klassischer Kunst sprechen.

Im Anschluß daran präsentierte eine Gruppe junger Dänen Cardans Paradox und die Dreiteilung eines beliebigen Winkels. Die Dreiteilung des Winkels ist ebenso wie die Würfelverdoppelung eines der berühmten geometrischen Probleme, von dem schon die alten Griechen wußten, daß sie durch die Mittel der euklidischen Geometrie, also Lineal und Zirkel, nicht zu lösen ist. Die Lösung erfordert, die Ebene, auf der das Problem gestellt wird, zu verlassen. Man bekommt einen Vorgeschmack auf Gauß' Entdeckung des komplexen Bereiches.

[i]Kepler[/i]

Am Samstag vormittag gab es Präsentationen zweier Kepler-Arbeitsgruppen der LYM über Teil II und Teil III von Keplers [i]Neuer Astronomie[/i]. Kepler unternahm vor gut 400 Jahren die Aufgabe, die gesamte Himmelskunde umzuwälzen, vom mittelalterlichen Aberglauben zu befreien und auf der Grundlage physikalischer Ursachen als wirkliche Wissenschaft neu zu erschaffen. Zunächst führte Malene Beispiele dafür an, wie viele Menschen Gedankensysteme auf Axiomen errichten, deren Gültigkeit man nicht hinterfragt. Viele dieser Axiome, wie das der Mensch schlecht oder Veränderung gefährlich sei, führen nur zu völliger Impotenz bzw. Pessimismus.

Von dort aus ging Jenny auf die grundlegenden Bewegungen am Nachthimmel ein. Nun ging es um Keplers Versuch, die genauen Planetenbahnen zu bestimmen, was sich als ein äußerst schwieriges Unterfangen herausstellte, da man die unbekannte Bahn des Mars zu bestimmen hat, während man sich selbst auf einem Planeten, der Erde, befindet, dessen genaue Bahn um die Sonne unbekannt ist. Die mittelalterlichen Erklärungsversuche von Claudius Ptolemäus und Nicolaus Kopernikus erfordern allerhand mathematischer Axiome und Tricksereien, wie perfekte Kreise, Epizykel und Ausgleichspunkt, deren Existenz nie bewiesen wurden, um die Bahnberechnung halbwegs erträglich machen. Kepler zeigte, wie weit man mit diesen Taschenspielertricks gehen kann. Man bekommt bestenfalls eine Genauigkeit von 8' hin, also fast 1/10 Grad Fehler. Die alten Astronomen waren damit zufrieden, für Kepler zeigte die Beseitigung dieses Fehlers den Weg zu einer der erstaunlichsten wissenschaftlichen Revolutionen der Menschheitsgeschichte. Das alte Dogma der perfekten Kreise wurde über den Haufen geworfen, und Kepler zeigte anhand der elliptischen Bahnen die Existenz eines universellen physikalischen Prinzips, der Gravitation, welches für Kepler auch ein Prinzip fortwährender Entwicklung und göttlicher Schöpfung war, die der Mensch erkennen kann und für sich zunutze machen kann.

[i]Die Internet-Revolution der LYM[/i]

Am Nachmittag gab es verschiedene Arbeitsgruppen zur Erzeugung musikalischer Harmonien und Tonleitern aus der Kreisteilung, mehr Geometrie, Stimmbildung mit Liliana, einer führenden Person der LaRouche-Bewegung in Italien und erfahrenen Sängerin und Lehrerin. Anschließend sprachen wir mit Lyndon LaRouche am Telefon. Lyndon ging besonders auf die revolutionäre Bedeutung der LaRouche-PAC-Internetseite [url:"http://www.larouchepac.com/]www.larouchepac.com[/url] ein. Außerdem gab es Diskussion zum Thema klassisches Drama, darüber, wie man historische Prozesse wirklich verstehen und sie benutzen kann, um erfolgreich eine politische Organisation aufzubauen etc.

Am Abend berichteten Kasia und Toni über Gotthold Ephraim Lessing und Moses Mendelssohn und darüber, wie diese beiden Menschen im 18. Jahrhundert die deutsche Klassik erschufen und das Erbe von Gottfried Wilhelm Leibniz verteidigten. Leibniz, der wissenschaftliche und philosophische Gigant des 17. und 18. Jahrhunderts war auch nach seinem Tode im Jahre 1716 unter ständiger Attacke der britischen und französischen ?Aufklärung?, deren Vernunftbegriff die menschliche Erkenntnis und den menschlichen Geist auf seine Sinneseindrücke und auf reinen Materialismus zu reduzieren suchte. Die deutsche Klassik und die amerikanische Revolution, die beide durch Leibniz inspiriert wurden, waren die größte Quelle von kulturellem Optimismus und wissenschaftlichem Entdeckungsgeist in den letzten 300 Jahren.

Dann ging Helga Zepp-LaRouche auf die Bedeutung von Poesie und Metaphern ein, um den menschlichen Geist zu befähigen, ständig kreativ zu sein und ein verbessertes Empfindungsvermögen auszubilden. Sie berichtete über die bedeutendsten deutschen und englischen Dichter wie Schiller und Shelley und forderte die Jugendlichen auf, die kulturelle Dekadenz des heutigen Europa zu überwinden und die menschliche Identität wieder in den klassisch-humanistischen Idealen anzusiedeln. Dabei sei die Pflege der Muttersprache eine wichtige Vorbedingung, überhaupt komplexe Gedankengänge zum Ausdruck bringen zu können.

Am Sonntag fand dann eine intensive Chorprobe statt, und im Anschluß daran eine ausführliche Diskussion darüber, wie wir effektiver in die deutsche und internationale Politik eingreifen können. Hauptthemen waren die von Cheney & Co. ausgehende Kriegsgefahr sowie die unglaublichen Potentiale, die sich international um viele Projekte der eurasischen Landbrücke entwickeln. Ausgestattet mit neuen Gedanken und Projekten soll die Arbeit dieses Wochenendes der Zukunft der Menschheit dienen.