Während die Federal Reserve Bank und die Bank von England wiederholt Zinssenkungen vornahmen und so den Markt mit hyperinflationärem Geld überschwemmen, widerstand die Europäische Zentralbank solchen Eingriffen bisher, indem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet immer wieder vor den Risiken der Inflation warnte. Nun scheint es, als ob die EZB durch die derzeitige Finanzlage gezwungen würde, wie die anderen Zentralbanken die Zinsraten zu senken, um zu versuchen, das bankrotte Finanzsystem zu erhalten. Am 7. Februar wiederholte Trichet seine üblichen Ausführungen über die Inflation auf einer Pressekonferenz, aber zum ersten Mal betonte er diesmal auch die Risiken für das "Wachstum", was als Signal für eine kommende Zinssenkung interpretiert wurde.
Damit ist nicht gemeint, daß die EZB auf einmal ein Hort der Vernunft sei. Dies ist nicht der Fall, schließlich hat sie im letzten halben Jahr hunderte Milliarden Euros in das Bankensystem gepumpt, um angeschlagene Banken über Wasser zu halten. So bewahrt die EZB spanische Banken vor dem Untergang, indem sie deren wertlose Ramschanleihen aus dem Immobiliensektor als Sicherheit für zinsvergünstigte Kredite annahm.
Das ganze zeigt aber nur, daß es innerhalb des Systems keine Lösung gibt und sich die Zentralbanken in einer Zwickmühle befinden: Ob Zinssenkungen oder Zinserhöhungen – alles führt in die Katastrophe. Nur eine Reorganisation des Weltfinanzsystems im Sinne des „Neuen Bretton-Woods-Abkommens“ wird zu einer dauerhaften Erholung der Weltwirtschaft führen.