Ein sechzigjähriger Franzose mit Herzproblemen starb am frühen Sonntagmorgen in einem Krankenwagen, nachdem sechs Stunden vergeblich versucht wurde, in Paris und Umgebung einen freien Klinikplatz zu finden. Dies ist der dritte schwerwiegende Fall in den letzten Wochen, der zeigt, was aus einem guten Gesundheitssystem wird, wenn es unter das Diktat von Sparpolitik kommt: es wird tödlich.
Schon vor drei Wochen streikten Notfallärzte gegen die anstehenden "Reformen" und die Sparpolitik. Der Präsident des französischen Verbandes der Notfallärzte (AMUF), Patrick Pelloux , wies jetzt darauf hin, dass sich leider als wahr herausgestellt habe, wovor sie Anfang Dezember gewarnt hatten – daß die Sicherheit der Patienten in den Krankenhäusern nicht mehr garantiert werden könne. Der Generalsekretär des Verbandes, Bruno Gaggianelli, erklärte, dass an diesem Sonntag in der Pariser Region alle Kliniken überfüllt gewesen waren.
Andere Regionen haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen. In Lille, einer Stadt in Nordfrankreich, mussten letzte Woche drei Patienten über die Grenze nach Belgien gebracht werden, weil keine Klinikplätze in Frankreich frei waren. Es wurden sogar trotz bekanntem Mehrbedarf Reanimationsabteilungen in Krankenhäusern über das Jahresende für zwei Wohen geschlossen.
Die französische Gesundheitsministerin Jocelyne Bachelet sieht jedoch keine "strukturellen Probleme", sondern nur politische Kampagnen. Aber während in Frankreich private Kliniken hochrentabel sind, da sie sich auf profitable Behandlungen konzentrieren, kämpft die Mehrheit der öffentlichen Krankenhäuser mit Defiziten. Dies wird durch die Vergabe von Staatsaufträgen an private Kliniken in Form von PPPs (Public Privat Partnerships) noch verstärkt.
Professor Andre Grimaldi vom Pariser Salpetriere Hospital, Initiator des Aufrufs "Rettet die öffentlichen Krankenhäuser", sagte zu dem Vorfall am Sonntag, dieser sei Folge eines verrückten Systems, in welchem für jede medizinische Handlung ein Budget festgelegt wird. Das führe zu einer "just-in-time Logik", bei der keine Reserven mehr vorgehalten werden.
Mit dem neuen "Gesundheitsfonds" könnten in Deutschland ähnliche Zustände auf uns zukommen.