Tony Blair und die EU: „Es geht um die Macht“
29. November 2012 • 18:06 Uhr

In seiner Rede bei der britischen Denkfabrik Chatham House am 27.November betonte Tony Blair die Wichtigkeit für Großbritannien, seine Stärke als Weltmacht durch die Kontrolle über Europa zu behaupten. Es wäre ein „fundamentaler Fehler“ für Großbritannien, Europa den Rücken zu kehren, sagte er. Blair warnte zudem, dass David Camerons Politik, die britische Stellung in der EU neu zu verhandeln, den Weg zum Ausstieg ebne.

Europa zu verlassen, wäre "politisch lähmend, wirtschaftlich schädlich und sehr zerstörerisch für Großbritanniens wirkliche langfristige Interessen." Auch wenn man nie eine herzliche Beziehung zu Europa finden werde, sei dieses "Schicksal" entscheidend, wenn Großbritannien "politisch und wirtschaftlich eine Weltmacht bleiben will. Es wäre ein fundamentaler Fehler der Staatskunst, Europa den Rücken zu kehren und uns aus einer entscheidenden Macht-und Einflussposition des 21.Jahrhunderts zu entfernen.“

Blair betonte, trotz der gegenwärtigen Krise sei die Grundlage Europas heute stärker als vor 66 Jahren, als alles begann. Aber heute sei alles anders als zu Beginn. „Damals ging es um Frieden. Heute geht es um Macht. Damals hatten wir einen kriegsverwüsteten Kontinent, mit Deutschland der Aggressor und Großbritannien als Opfer. Heute geht es um eine Welt, in der die globale Geopolitik ihre größte Veränderung seit Jahrhunderten erlebt."

"[…] Die Macht verlagert sich von West nach Ost. China ist aufgestiegen, die Wirtschaft öffnet sich und wird sich wahrscheinlich zur weltgrößten Ökonomie entwickeln. Seine Bevölkerung ist dreimal so groß wie die der EU. Indien hat über eine Milliarde Menschen. Brasiliens Fläche ist doppelt so groß wie die des größten europäischen Landes, Indonesien ist sogar dreimal so groß und es gibt eine Menge anderer Länder, wie Rußland, Türkei, Mexiko, Vietnam, die Philippinen und Ägypten, die alle größer sind als irgendein einzelnes Land der EU."

"Die Sache ist nicht kompliziert. Es ist wirklich ganz einfach. Ich mag zwar den Idealismus der europäischen Gründerväter. Aber in Wirklichkeit geht es dabei nicht um Idealismus. Es ist brutale Realpolitik. … "

"In einer Welt, in der China und Indien zusammen die 20-fache Bevölkerung des Vereinigten Königreichs haben werden ist, brauchen wir die EU, um unsere nationalen Interessen zu befördern. Mit der EU zählen wir mehr, ohne EU weniger.“